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Supply Chain Risk Management

SCRM-Risiken früh erkennen.
Bevor sie operativ teuer werden.

Aktuelle Risiken in Lieferketten – strukturiert bewertet nach Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkung und operativer Relevanz. Mit belastbaren Quellen und konkreten Handlungsempfehlungen für Einkauf, Logistik und SCM.

10 Risikenstrukturiert bewertet
Score 1–10nach Auswirkung & Wahrscheinlichkeit
Quellenbasiertmit konkreten Maßnahmen

Aktuelle Top-10 SCRM-Risiken

Sortiert nach Risiko-Score – kombiniert aus Eintrittswahrscheinlichkeit, möglicher Auswirkung und operativer Relevanz.

Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2026
1

Eskalation am Persischen Golf / Straße von Hormus

Geopolitik / Energie & Seefracht
10Kritisch
Region: Naher Osten / globalWahrscheinlichkeit: HochAuswirkung: HochZeithorizont: Akut / kurzfristig
Begründung

Seit dem 28. Februar 2026 ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend blockiert. Angriffe auf Handelsschiffe, Seeminen und eine Blockade-Situation haben den Durchsatz auf einen Bruchteil des Normalniveaus reduziert und treiben Öl-, Gas- und Düngemittelpreise.

Warum dieser Score

Höchster Score, weil hier ein bereits eingetretenes, anhaltendes Ereignis vorliegt, das gleichzeitig Energieversorgung, Rohstoffe und globale Seefracht trifft. Rund 20 % des weltweiten Öl- und LNG-Handels laufen durch die Straße von Hormus; der Schiffsverkehr ist seit Ende Februar 2026 stark eingeschränkt.

Mögliche Auswirkung

Steigende und schwankende Energie- und Kraftstoffkosten, mögliche Knappheit bei Düngemitteln und petrochemischen Vorprodukten, längere Transitzeiten und höhere Versicherungs- und Risikozuschläge in der gesamten Beschaffung.

Empfohlene Maßnahme

Energie- und kraftstoffabhängige Kostenpositionen stresstesten, Preisgleitklauseln und Absicherungen prüfen, kritische Vorprodukte mit Hormus-Bezug identifizieren und alternative Bezugsquellen sowie Sicherheitsbestände bewerten.

2

Extremwetter und Ernteausfälle in Südeuropa & Nordafrika

Beschaffung / Landwirtschaft
9Kritisch
Region: Spanien, Italien, MarokkoWahrscheinlichkeit: HochAuswirkung: HochZeithorizont: Kurzfristig
Begründung

Unwetter und Überschwemmungen in spanischen Anbaugebieten (u. a. Almería, Murcia, Huelva), niedrige Temperaturen in Italien und strukturelle Dürre in Marokko beeinträchtigen Produktion und Verfügbarkeit. Besonders betroffen sind Gemüse wie Gurken, Tomaten, Paprika und Salate sowie Beeren.

Warum dieser Score

Sehr hoher Score, weil die aktuelle Erntesaison 2025/26 bereits konkret beeinträchtigt ist und Mengen, Qualität und Preise von Obst und Gemüse unmittelbar betroffen sind. Die betroffenen Länder sind in den Wintermonaten zentrale Lieferanten für den europäischen Markt.

Mögliche Auswirkung

Verknappte Verfügbarkeit und Preissteigerungen bei Frischeprodukten, verzögerte Ernten, höherer Abstimmungsbedarf mit Lieferanten und mögliche Lücken in der Sortimentsplanung.

Empfohlene Maßnahme

Kritische Frischwarengruppen priorisieren, alternative Herkunftsländer und Lieferanten qualifizieren, Wetter- und Erntefrühwarnindikatoren beobachten und Vertragsmengen flexibel gestalten.

3

Volatile Energiepreise (Gas & Strom)

Energie / Kostenbasis
8Hoch
Region: Europa / DACHWahrscheinlichkeit: HochAuswirkung: HochZeithorizont: Kurz- bis mittelfristig
Begründung

Die Verknappung des globalen LNG-Angebots im Zuge der Nahost-Eskalation hat die europäischen Gaspreise stark steigen lassen; an den Börsen kam es zu Ausschlägen von zeitweise bis zu rund zwei Drittel. Strompreise reagieren mit Verzögerung über den Gaspreis.

Warum dieser Score

Hoher Score, weil die Gaspreise seit Anfang 2026 geopolitisch getrieben deutlich gestiegen sind und über den Merit-Order-Effekt auf die Strompreise durchschlagen. Anders als 2022 besteht zwar keine physische Verknappung in Europa, das Preisniveau bleibt aber erhöht und sprunghaft.

Mögliche Auswirkung

Höhere und schwerer planbare Kosten für Produktion, Kühlung, Lager und Logistik; Druck auf Margen und Kalkulationen, insbesondere bei energieintensiven Prozessen.

Empfohlene Maßnahme

Energiebeschaffung und Vertragsstruktur (Festpreis vs. Spot) überprüfen, Verbrauchsspitzen senken, Energiekosten in Angebots- und Preiskalkulation transparent machen und Förderungen wie den Industriestrompreis prüfen.

4

Cyberangriffe auf Lieferketten- und Logistikpartner

IT / Resilienz
7Hoch
Region: Global / DACHWahrscheinlichkeit: HochAuswirkung: Mittel bis hochZeithorizont: Laufend
Begründung

Die Malware- und Ransomware-Aktivität hat im ersten Quartal 2026 zugenommen; mehrere Software-Lieferketten-Angriffe wurden öffentlich. Auch KMU sind betroffen, weil Angreifer kompromittierte Partner als Sprungbrett nutzen.

Warum dieser Score

Hoher Score, weil die Angriffsfläche 2026 messbar gewachsen ist und Angreifer gezielt das schwächste Glied in der Lieferkette suchen. Ein Ausfall eines IT-Dienstleisters, Logistikers oder Software-Lieferanten kann mehrere Unternehmen gleichzeitig treffen.

Mögliche Auswirkung

Betriebsunterbrechung, Ausfall von Bestell-, Lager- oder Transportsystemen, Daten- und Reputationsschäden sowie verzögerte Lieferungen über betroffene Partner hinweg.

Empfohlene Maßnahme

Kritische IT- und Logistikdienstleister auf Sicherheitsstandards prüfen, Notfall- und Wiederanlaufpläne testen, Backups und Patch-Management sicherstellen und vertragliche Sicherheitsanforderungen an Partner stellen.

5

Seefracht-Volatilität & Hafenstau (Rückkehr ins Rote Meer)

Logistik / Transport
7Hoch
Region: Asien–Europa, Nordeuropäische HäfenWahrscheinlichkeit: MittelAuswirkung: HochZeithorizont: Kurz- bis mittelfristig
Begründung

Erste Carrier nehmen Suez-Verbindungen wieder auf, während andere weiter über das Kap der Guten Hoffnung fahren. Eine gleichzeitige Ankunft vieler Schiffe in Nordeuropa kann Terminals überlasten; parallel sorgt die Nahost-Lage für zusätzliche Unsicherheit.

Warum dieser Score

Hoher Score, weil die schrittweise Rückkehr von Containerlinien über den Suezkanal die Routen und Frachtraten verschiebt und gleichzeitig kurzfristig Staurisiken in Häfen wie Rotterdam, Antwerpen und Hamburg entstehen können. Die Lage bleibt zudem rückschlaganfällig.

Mögliche Auswirkung

Schwankende Frachtraten, unsichere Transit- und Ankunftszeiten, Engpässe bei Leercontainern und mögliche Verzögerungen in der Wareneingangsplanung.

Empfohlene Maßnahme

Surcharges und Red-Sea-Klauseln in Verträgen klar definieren, Vorlaufzeiten und Sicherheitsbestände an die Volatilität anpassen, Routing-Alternativen (See/Bahn/Luft) bewerten und Liefertermine eng mit Spediteuren abstimmen.

6

Preisvolatilität bei Agrarrohstoffen

Beschaffung / Rohstoffe
7Hoch
Region: GlobalWahrscheinlichkeit: HochAuswirkung: MittelZeithorizont: Kurz- bis mittelfristig
Begründung

Importpreise für Lebensmittel lagen Anfang 2026 im Jahresvergleich teils deutlich niedriger (Kakao, Kaffee), während einzelne Warengruppen wie Rindfleisch (+17 %) und Haselnüsse (+48 %) gegen den Trend stiegen. Wetter, Ernteschwankungen und Spekulation halten die Volatilität hoch.

Warum dieser Score

Hoher Score, weil die Agrarmärkte 2026 in beide Richtungen stark schwanken: Während sich Kakao und Rohkaffee gegenüber dem Vorjahr deutlich verbilligt haben, sind Rindfleisch und Haselnüsse spürbar teurer geworden. Diese Volatilität erschwert Kalkulation und Sortimentsplanung.

Mögliche Auswirkung

Schwer planbare Einkaufspreise, kurzfristige Kostensprünge bei einzelnen Warengruppen und Druck auf Kalkulation und Preisweitergabe.

Empfohlene Maßnahme

Preissensible Warengruppen identifizieren, Indexierung und Laufzeiten in Lieferverträgen prüfen, Beschaffungszeitpunkte aktiv steuern und Frühwarnindikatoren (Ernteberichte, Börsenkurse) beobachten.

7

Lieferantenausfall & Insolvenzrisiko

Lieferantenmanagement
6Mittel
Region: DACH / EuropaWahrscheinlichkeit: MittelAuswirkung: HochZeithorizont: Laufend
Begründung

Steigende Kosten, Finanzierungsbedingungen und anhaltende Störungen erhöhen die Fragilität von Lieferketten. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten oder Standorten wird dadurch zum konkreten operativen Risiko.

Warum dieser Score

Mittlerer bis hoher Score, weil wirtschaftlicher Druck (Energiekosten, schwache Nachfrage, Margendruck) das Ausfallrisiko von Lieferanten erhöht. Besonders kritisch bei Single-Sourcing, wo der Ausfall eines Lieferanten direkt Produktion oder Lieferfähigkeit gefährdet.

Mögliche Auswirkung

Produktionsunterbrechungen, lange Vorlaufzeiten für die Requalifizierung von Ersatzlieferanten und erhöhte Verhandlungsmacht verbleibender Anbieter.

Empfohlene Maßnahme

Kritische Single-Source-Positionen identifizieren, Lieferantenbonität und Frühwarnsignale beobachten, Zweitlieferanten qualifizieren und Sicherheitsbestände für kritische Artikel definieren.

8

Regulatorische Verschärfung: EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)

Regulatorik / Compliance
6Mittel
Region: EUWahrscheinlichkeit: HochAuswirkung: MittelZeithorizont: Mittelfristig (Anwendung große Unternehmen ab 30.12.2026)
Begründung

Die EUDR wurde mit der Verordnung (EU) 2025/2650 erneut verschoben und vereinfacht. Sie gilt für große und mittlere Marktteilnehmer ab dem 30. Dezember 2026, für Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027, und betrifft ausschließlich die Rohstoffe Rinder, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Kautschuk und Holz sowie daraus hergestellte Erzeugnisse.

Warum dieser Score

Mittlerer Score, weil der Anwendungsbeginn fix terminiert ist und betroffene Warengruppen klar definiert sind, die operative Umstellung aber Zeit braucht. Die Eintrittswahrscheinlichkeit der Pflicht ist hoch, die unmittelbare Auswirkung je nach Sortiment unterschiedlich.

Mögliche Auswirkung

Nachweis- und Sorgfaltspflichten (u. a. Geodaten-Nachweise) für betroffene Rohstoffe, höherer administrativer Aufwand und mögliche Lieferketten- bzw. Marktzugangsprobleme bei fehlenden Nachweisen; mittelbar auch für Zulieferer über Kundenanforderungen.

Empfohlene Maßnahme

Sortiment auf EUDR-relevante Rohstoffe prüfen, Verantwortlichkeiten entlang der Kette klären (Erstinverkehrbringer), Lieferantennachweise frühzeitig einfordern und Prozesse vor dem 30.12.2026 testen – ohne EUDR auf nicht erfasste Produkte anzuwenden.

9

Handelskonflikte, Zölle & Exportkontrollen (kritische Rohstoffe)

Geopolitik / Handel
6Mittel
Region: China, USA / globalWahrscheinlichkeit: MittelAuswirkung: HochZeithorizont: Mittelfristig (Aussetzung bis 10.11.2026)
Begründung

China hatte 2025 in zwei Wellen Exportkontrollen für Seltene Erden eingeführt; die zweite Welle ist bis November 2026 ausgesetzt. China kontrolliert rund 60 % der Förderung und 90 % der Raffination, und ein Großteil großer europäischer Firmen ist eng mit chinesischen Produzenten verflochten. Parallel bleibt die Zollpolitik unvorhersehbar.

Warum dieser Score

Mittlerer Score, weil aktuell eine Aussetzung der chinesischen Exportkontrollen für Seltene Erden bis zum 10. November 2026 gilt – die Lage ist also vorübergehend entspannt, das Rückschlagrisiko bleibt aber hoch, da die EU stark von China abhängig ist.

Mögliche Auswirkung

Mögliche Verknappung und Kostensteigerungen bei kritischen Materialien und technischen Komponenten, Unsicherheit bei Zöllen und Lizenzen sowie Bedarf an Lieferketten-Diversifizierung.

Empfohlene Maßnahme

Abhängigkeiten von kritischen Rohstoffen und einzelnen Herkunftsländern transparent machen, alternative Quellen und Lagerstrategien für den Zeitraum nach November 2026 vorbereiten und Zoll-/Handelsentwicklungen aktiv beobachten.

10

Infrastruktur- und Transportengpässe (alternde Netze)

Logistik / Infrastruktur
5Mittel
Region: EuropaWahrscheinlichkeit: MittelAuswirkung: MittelZeithorizont: Mittelfristig
Begründung

Häfen, Brücken, Schienen- und Straßennetze stoßen bei steigender Auslastung und durch Extremwetter zunehmend an Kapazitäts- und Zustandsgrenzen. An großen europäischen Häfen (u. a. Rotterdam, Antwerpen, Hamburg) zeigen sich verlängerte Wartezeiten.

Warum dieser Score

Mittlerer Score, weil alternde Infrastruktur und steigende Durchsatzmengen die Wahrscheinlichkeit punktueller Störungen erhöhen, die einzelne Einzelausfälle aber meist regional begrenzt bleiben. Für 2026 wird mindestens eine größere infrastrukturbedingte Störung erwartet.

Mögliche Auswirkung

Punktuelle Transportverzögerungen, Umleitungen, höhere Transportkosten und reduzierte Planbarkeit bei Wareneingang und -ausgang.

Empfohlene Maßnahme

Kritische Transportkorridor-Abhängigkeiten identifizieren, Pufferzeiten und alternative Routen einplanen, Engpasshäfen beobachten und mit Logistikpartnern Eskalationswege definieren.

Die Risiken wurden auf Basis öffentlich verfügbarer, überprüfbarer Quellen recherchiert und nach Eintrittswahrscheinlichkeit, möglicher Auswirkung und operativer Relevanz bewertet. Diese Übersicht stellt ein beispielhaftes Risiko-Monitoring dar und ersetzt keine individuelle Analyse der eigenen Lieferkette.

Wie die Bewertung funktioniert.

Der Risiko-Score kombiniert Eintrittswahrscheinlichkeit und potenzielle Auswirkung auf Beschaffung, Produktion, Logistik, Verfügbarkeit, Kosten und Servicelevel.

1–3Niedriges RisikoBeobachten
4–6Mittleres RisikoVorbereiten
7–8Hohes RisikoAktiv steuern
9–10Kritisches RisikoSofort priorisieren

Hinweis: Diese Übersicht ist ein beispielhaftes Risiko-Monitoring und ersetzt keine individuelle Analyse der eigenen Lieferkette. Für eine fundierte Bewertung sollten unternehmensspezifische Lieferanten, Warengruppen, Länder, Transportwege und Abhängigkeiten berücksichtigt werden.

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